Schlagwort-Archive: Türkei

Deutschland – Türkei 3:2


Ich bin um eine Haaresbreite an meinem Tip vorbei gerutscht. Das 3:2 in den ersten Minuten der Verlängerung – das wäre es gewesen. Aber so freue ich mich natürlich auch. 😉

Heute Nachmittag war ich wenig zuversichtlich, das es heute Abend auf den Straßen ruhig bleiben würde – nicht im Sinne vom unvermeidbaren Hubkonzert, sondern von Handgreiflichkeiten etc. – aber auch ohne die unzähligen Friedens-Beteuerungen auf der Mattscheibe, können wohl beide Seiten mit dem Ergebnis leben. Die glücklichen Sieger und auch der gleichwertige Gegner, der einfach im falschen Moment ein Tor kassiert hat.

Mattscheibe ist natürlich ein super Stichwort: Der ganze Bildausfallsalat und das Kanal-Gewurschtel hat dem Spiel ein ganz neue Spannung aufgezwungen.

Warum erfährt man nur nie, was da eigentlich genau (technisch) schief gegangen ist?

Der Plan B (Bildmaterial vom Schweizer Fernsehen) hat sich ja ganz schön Zeit gelassen. Ich stelle mir da zwei Azubis vor, die vom Regie-Assistenten mit einem Cinchkabel als Peitsche angetrieben werden, ein 5cm dickes Kabel vom Übertragungswagen A in den Server-Lastwagen B zu ziehen. 🙂

Vielleicht wurde auch der Mann vom Döner-Taxi auf dem Weg zum Ü-Wagen so vom 2:2 überrascht, dass er sein Moped direkt in der Seite des selbigen geparkt hat. Anstatt dann die Antenne neu auszurichten, wurde dann in 214 Zügen so lange auf der Stelle gewendet, bis der Signalweg wieder einigermaßen offen war!

Natürlich alles reine Vermutungen. 😉

Kostet die Nachbarschaftshilfe vom Schweizer Fernsehen das ZDF evtl. sogar richtig viel Kohle?

Nachtrag: Es waren drei kurze Stromausfälle, die gestern auf eine fehlerhafte Notstromversorgung des „Master Control Rooms“ (sehr cooler Name btw.) trafen. Bei Golem.de gibts mehr Infos.

Türkischer Fussball?

Wer in den letzten Tagen das Gerangel um das Spiel der Türkei gegen die Schweiz in der WM-Qualifikation auch nur ansatzweise mitbekommen hat, dem steht wahrscheinlich jetzt noch der Mund offen. Krawall gibt es, besonders im Fussball, ja in fast jedem Land, doch in diesem Fall ziehen die Ereignisse getreu dem Moto „Fussball ist unser Leben“ weitere Kreise. Für die Öffentlichkeit scheint sich das Land nämlich in diese Tagen in einen „Babarenstaat“ verwandelt zu haben, wenn man sich auf Presse und Fernsehberichte verlässt.

Also was ist in der Türkei passiert?

Die Schweiz qualifizierte sich mit 2:4 im Rückspiel (trotz der Niederlage) für die WM in Deutschland und warf die türkische Nationalmannschaft damit aus dem Rennen. Das Bangen hatte erst in der Nachspielzeit ein Ende, in der es der Türkei fast gelang die notwendigen 4 Punkte zu holen. Die Enttäuschung der Gastgeber entlud sich anschließend an den Gästen, wie Augenzeugen berichteten.

Während die Schweizer Spieler auf der Flucht vor Flaschen, Steinen und Feuerzeugen zu den Kabinen rannten, sollen sie von gegnerischen Spielern und Sicherheitsleuten angegriffen und verprügelt worden sein.

„Jeder musste um sein Leben rennen […] Sicherheistleute, und türkische Spieler haben uns angegriffen.“
( Marco Streller, VFL Bochum)

Es ging drunter und drüber. Einige haben am Boden gelegen und wurden getreten.
(Tranquillo Barnetta)

Ein Interview der ARD wird von einem Tumult unterbrochen und der Kameramann vom Sicherheitspersonal geschlagen, als sich dieser umdrehen will, um das Geschehen zu filmen.

Begrüßt wurden die Schweizer im Vorfeld mit einem Banner „Welcome to Hell“ und rohen Eiern.
Schon bei der Abfertigung im Flughafen gab es eine ganze Reihe von Schikanen: Drogenkontrollen und ewig lange Passabfertigung, so dass das erste Training ausfallen musste.
Das ganze begleitet von Hasschören und fliegenden Gegenständen.

Die örtlichen Pressestimmen nach den Vorfällen:

„Wir konnten die letzte Hürde auf dem Weg zur WM nicht nehmen. Dafür haben es die hässlichen Schweizer geschafft, nach Deutschland zu fahren. Sie haben wieder provoziert und für Rangeleien gesorgt.“
(Star)

„Mit ihren Provokationen haben uns die Schweizer in eine Falle gelockt. Über das Ende muss die FIFA entscheiden.“
(Fanatik)

„Die Provokationen der Schweizer haben uns zu Fehlern verleitet. Wir haben Tränen in den Augen und Schmerzen im Herzen.“
(Sabah)

Da scheint sich ja augenscheinlich ein ganzen Land gegen die ausländischen Besucher verschworen zuhaben. Zollbeamte, Bevölkerung (Fans), Sicherheitskräfte, Spieler und die Presse? Und dann gab es da ja noch ähnliche Vorfälle im Jahre 2003 bei einem Spiel der U21.

Das passt aber einfach alles zu schön beieinander, oder? Der neue Vorurteilbaukasten steht also in den Regalen und ein einziges Fußballspiel verunreinigt das Ansehen der Türkei wahrscheinlich nachhaltig.

Und warum ist das ganze nun passiert?

Die Mischung hat es wohl gemacht. Ein gekränkter Nationalstolz (beim Hinspiel wurde die türkische Nationalhymne ausgepfiffen) , Streitigkeiten der Mannschaften im Hinspiel und die verwirrten Gefühle rund um die, in letzter Sekunde, verlorene Qualifikation waren es wohl, die die Türkei nun sogar die Teilnahme an der übernächsten WM kosten könnte. Die Sanktionen der Fifa-Disziplinarkommission werden zum 9. Dezember erwartet.

Ich bin mir sicher, dass sich die Bilder unter den richtigen Umständen auch in anderen Ländern abspielen können, wo doch gerade die zentraleuropäischen Hooligans berüchtigt sind und hier Fussballfanatismus keine Seltenheit ist. Zusammen mit der geballten Enttäuschung von 55.000 Stadionbesuchern kommen da scheinbar immer unliebsame Urinstinkte hoch.

Quellen:

  1. nachrichten.at – Spielübersicht
  2. nachrichten.at – Pressestimmen
  3. sport.ard.de – Augenzeugenberichte
  4. sport.ard.de – Eventbox
  5. diePresse.at – Die Ankunft
  6. Spiegel – Skandal in Istanbul