Archiv des Autors: Christian

Abflug

Taschenmesser im Handgepäck? Kann passieren, wenn in der Not die Schuhe aus dem Koffer verbannt werden, weil wir hart an der 30 kg Grenze kratzen. Zum Glück ist das Sicherheitspersonal in diesem Fall entspannt und wahrscheinlich leidgeprüft.

Wir fliegen nach Marrakesch in Marokko, um von dort drei Wochen mit dem Mietwagen durch das Land zu fahren. 

Unser Gepäck ist insbesondere durch das Camping-Equipment so schwer geworden, dass wir jedes mögliche Kilo in das Handgepäck ausgelagert haben. Hoffentlich schöpft die Autovermietung den Spielraum der „Kompaktklasse“ bei der Größe des Kofferraumes nicht zu sehr nach unten aus, denn dann könnte es schwierig werden, unsere Sachen zu verstecken.

Ich wünsche euch einen schönen angenehmen Spätherbst! Wir fliegen in 35 Grad Sonnenschein an den Rand der Wüste.

Photokina 2016

Am letzten Samstag waren André und ich auf der Photokina und haben uns die Hype-Themen der nächsten zwei Jahre angesehen.

Die Messe ist groß und unübersichtlich – wir hoffen aber alles Wichtige mitgenommen zu haben.

Man möchte mir – als Freund des griffigen Gehäuses – scheinbar weiterhin das Vollformat ans Herz legen oder gleich den Spiegel aus den Händen reißen. Trend sind die Action-Kameras mit 360 Grad oder Kugel-Perspektive. Um die Besucher auch an den Stand zu locken, konnte man sich das Beispielmaterial mit der VR-Brille betrachten. Dies wäre meine Chance gewesen, so ein Ding abseits des Gamings einmal auf der Nase sitzen zu haben, aber ich hatte andere Pläne und keine Lust den Vormittag in einer Schlange zu stehen.

In einer Woche geht es in der Urlaub nach Marokko und ich hatte die Entscheidung aufgeschoben, noch meine Nikon D5100 gegen eine D5300 oder gar D5500 zu tauschen. Letztere hatte ich auf der Messe schnell in der Hand und war begeistert von der Tiefe der Griffmulde, in der meine Finger wie in einem Fäustling verschwinden. Auch ein neuer Rucksack stand auf der Liste, um den Rücken und Schultern auf längeren Wanderungen zu schonen und neben dem Equipment auch die Verpflegung des Tages transportieren zu können. Oft fluche ich über meinen unterdimensionierten Kugelkopf, den ich damals in erster Linie nach Gewicht ausgewählt habe.

Nach ein paar Tagen Bedenkzeit habe ich mich gegen so ziemlich alle größeren Anschaffungen unter Zeitdruck entschieden und fahre mit bewährter Technik auf Fotosafari. 🙂

Ein neuer Akku, Schutzfilter gegen Flugsand, Adapterringe und eine größere Schnellwechselplatte – das muss reichen, bis mich ein Angebot für den D5500 Body zu einem Spontankauf verführt. Neues Spielzeug macht ja nicht automatisch schönere Bilder, auch wenn Herz und Kopf anders argumentieren.

Abendstimmung mit weniger Rauschen …
Und keine Abschattung am 18-105mm mit dem internen Blitz …
Leichter wäre sie auch …

Argh.

Mein treuer Erst-Akku (Ein EN-EL14) ist leider in der Kamera so dick geworden, dass ich ihn mit einer Zange zerschrammt heraus hebeln musste. Der Kauf liegt einige jahre zurück und nach den ersten Reaktion vom Nikon-Support habe ich keine Hoffnung auf Kulanz Ersatz zu bekommen, auch wenn in der Welt gerade die Samsung Akkus explodieren. Ich werde es noch über Twitter versuchen, da im Lichte der Öffentlichkeit möglicherweise die Dinge formloser geregelt werden können – große Hoffnung mache ich mir aber nicht mehr.

Motorisches Gedächtnis

Wenn ich im Büro konzentriert einen längeren Text lese und nur die rechte Hand an der Maus für die Navigation nutze, wandert meine linke Hand grundsätzlich auf die Tasten WASD, der Daumen in Lauerstellung über der Leertaste.

Mein Unterbewusstsein ist offensichtlich jederzeit bereit für den Einstieg in die nächste Spielrunde. Einfach zu entlarven.

 

Fliegende Enten

Es gab heute einen ersten Versuch die Enten im Atrium einzufangen. Man war gut vorbereitet und hatte einen einladend workenden Metallgitterkäfig dicht an eine Gebäudeseite gestellt. Daneben war ein Zaun über einige Meter Länge angebracht, um die Enten in die Öffnung des Käfigs zu führen.

Als der Fänger langsam und ruhig die Herde vor sich her trieb, musste er nach wenigen Metern feststellen, dass ihnen der Luftweg inzwischen nicht mehr verschlossen ist. Sobald ihnen der Platz vor den Schnäbeln zu knapp wurde, flatterten sie über die Aufbauten und später über seinen Kopf hinweg in die nächste Ecke.

Wie Katz‘ und Maus. Fragezeichen. Versuch abgebrochen.

Der Torrent de Pareis

Die schwarze Tour ganz oben auf unserer Liste und für die wir unsere Reepschnur im Gepäck mitgebracht, aber doch im Hotelzimmer vergessen haben! Hahaha.

Wir hatten große Erwartungen an den abwechslungsreichen Weg durch eine enge Schlucht bis hinunter ans Meer und wurden wahrlich nicht enttäuscht.

Beginn der Schlucht

Die Parkplatzsuche war wieder einmal nicht einfach und nach einigen Überlegungen nahmen wir das Risiko eines Steinschlags in Kauf und stellten uns direkt an die Böschung.

Der Einstieg in Escorca geht über über Privatgelände in Serpentinen bis hinunter zum (im Sommer) ausgetrockneten Flussbett. Dort besteht der Boden aus Kieselsteine und das Wasser hat große Brocken im Laufe der Jahrtausende an jede Biegung der Schlucht transportiert. An vielen Stellen ist das Karstgestein zu immensen Überhängen und Höhlen ausgewaschen worden – eine Kletterpartie über 5 1/2 Stunden, bei den man manchmal einfach loslassen oder mit dem Fuß blind nach dem nächsten Tritt tasten muss. An den schlimmsten Stellen hat man sich bemüht den Stein für einen sicheren Griff mit Hand und Schuh aufzurauen, aber das ist nur eine kleine Hilfe.

Das springen von Stein zu Stein macht Laune, weil jeder Schritt gut überlegt sein will und man jeweils die Festigkeit und Textur mit dem Auge abschätzen muss. Öfters offenbart der Blick über den nächsten größeren Stein einen Abgrund zu tief oder zu steil um ihn überwinden zu können – dann beginnt die Suche nach dem rechten Weg anhand von Steinmännchen oder Abriebspuren. Die ausgewaschenen Wannen mit grünem Wasser und zum Tod verdammten Kaulquappen sollte man ebenfalls umgehen.

Eine Zeit lang hatten wir ein älteres Ehepaar vor und hinter uns auf dem Weg, die sich erst im Verlauf richtig ihrer Entscheidung für diesen Tag bewusst wurden. Dann plötzlich Stau an einem schmalen Durchlass, der (nur) mit Abseilen zu überwinden war. Wir hatten noch das große Glück das Seil der Gruppe vor uns benutzen zu dürfen – unten angekommen hört wir nur noch die Verzweiflungsrufe der nachfolgenden Wanderer, die das Seil durch die Metall-Öse gleiten und verschwinden sahen – der Besitzer wollte verständlicherweise weiter. Mit einem tiefen Durchatmen wäre es aber ohne gegangen.

Abseilen

Einige Zeit später trafen wir auf eine Gruppe, die entzückt mit der Kamera einen Marder oder Maus-/Hauswiesel im Hang verfolgten, der ihnen ihr Brot „stibitzt“ hatte.

Es verschwand mit seiner Beute in den Sträuchern, suchte aber – nachdem Ruhe eingekehrt war und wir einige Meter entfernt picknickten – noch den Boden nach Hinterlassenschaften der menschlichen Gäste ab.

Höhle

An einigen Stellen kann man nur ehrfürchtig innehalten und bestaunen, welche Formationen Regen und Wasser geschaffen haben.

An einer späteren Stelle wussten wir einige Zeit keinen Rat, wie wir über schmale Tritte weiter kommen sollten. Links hätte man flinken Fußes über drei schmale glatte Tritte an einem Reservoir einen Meter tiefer vorbei hechten müssen, was wir uns nicht zutrauten. Dann sahen wir auf der rechten Seite ein schmales Loch, durch das wir – den Rucksack vor uns her schiebend – auf einen größeren Felsen kletterten. Von hier konnte man sich auf dem Hintern über eine Kante drücken, während man sich mit den Händen auf dem flachen Fels bestmöglich und so lange wie möglich hielt. Dann kam aber einfach der Moment, an dem man all seinen Mut zusammen nehmen und loslassen musste. Man rutschte dann einen Meter über den Fels und fiel weitere anderthalb Meter in ein mit Kieseln gefülltes Wasserloch, wo man hoffentlich ohne Verstauchung aufkam. Ich machte den Anfang und fing Andrea so gut auf wie ich es konnte, nachdem mir zuvor das Herz fast auf Grundeis gegangen war. Beim Gedanken daran bekomme ich gleich wieder Herzklopfen. Hui.

Einige Meter weiter blickten wir etwas erschrocken auf die Folgen einer Platzwunde, die sich jemand einige Stunden vorher zugezogen haben muss. Die Stelle des Unfalls sah wie ein Blutbad – Handabdrücke inklusiv – aus und der weitere Weg wurde von roten Tropfen auf den Steinen begleitet. Der oder die Unglückliche hat es die letzten Kilometer also noch bis zum Ziel geschafft und war dort wahrscheinlich bereits fertig für den nächsten Zombiewalk geschminkt. Gute Besserung!

Bald sahen wir Menschen mit Schuhen die sie nicht von oben durch die Schlucht gebracht haben konnten – wir waren also kurz vor dem Ziel. Das Tal öffnete sich in ein breiteres Kieselmeer das an einem überfüllten Strand ins Meer mündete –  was für ein Kontrast zu den letzten Stunden.

Das Meer

Wir hatten wie befürchtet den letzten Bus zu unserem Auto verpasst und setzten uns mit einem Erfrischungsgetränk in der Hand auf eine Mauer an der Straße. Ein Paar mit bekannten Gesichtern folgte nach einigen Minuten und aus gegenseitige Anerkennung unser Tagesleistung durch beiderseitigen Kopfnickens, ergab sich unser Fahrschein zurück zur Passstraße. Man kam ins Gespräch und uns wurde ein Platz im Fiat 500 angeboten. Ich durfte sogar Vorne sitzen! Wir übernahmen aus Dankbarkeit die Parkgebühren (15 Euro – *schluck*), unterhielten uns im Stau hinter wahnsinnigen Reisebussen nett über unsere Erfahrungen auf der Insel Madeira und wurden bis zur Tür unsere Autos gebracht. Win-Win – hoffe ich! 😀

Baumziege

Unser Auto war im bestem Zustand und wir hatten uns einen Tag „echte Erholung“ verdient – faul am Pool und nur mit kleiner Wanderung. Wir können es einfach nicht lassen.

Strand und Kultur

Bevor wir im nächsten Eintrag zu unserem persönlichen Höhepunkt unseres Urlaubs auf Mallorco kommen – unserer Schluchtenwanderung – möchte ich hier noch einige Stationen an den übrigen Tagen beschreiben. 😀

Auch wenn wir uns einen Tag Erholung im Urlaub verschreiben, halten wir dies nicht sehr lange durch bevor es in den Beinen juckt. Unser „Tag am Meer“ führte uns zu einem abgelegenen Strand an der Halbinsel Alcudia, den wir bei unserem letzten Besuch verlassen, aber gänzlich unvorbereitet angetroffen haben. Also lenkten wir unseren Focus abseits aller befestigter Straßen möglichst nahe heran. Auf dem Weg zum Platja des Coll Baix hatte ich meine größste Sorgen um die Selbstbeteiligung , denn der Übergang von Asphalt zu Feldweg wird durch unzählige Schlaglöcher maskiert: Wildes Gekurbel, bis ich nicht mehr weiter wollte und wir die letzten zwei Kilometer liefen.

Dieses Mal war der schwarze Kieselstrand besser besucht. Immer wieder nahm jemand die Kletterei über die Felsen in Kauf, um an diesen wirklich schönen Ort zu gelangen. Natürlich war auch die obligatorische Ziege am Rand damit beschäftigt die jungen Triebe der spärlichen Bäume abzufuttern.

Markt in Alcudia? Nichts wie hin. Es gehört ja zu jedem Urlaub, einmal den örtlichen Markt zu durchstreifen. Wir haben uns keinen kläffenden Plastikhund gekauft - der wohl China-Spielzeug des Jahres ist – aber uns über viele Tomatensorten, eine Tüte Orangen und den allgemeinen Trubel gefreut.

Wenn man schon über den Pass fährt, dann sollte man auch den Abstecher über Valldemossa, Deia, das Kloster Lluc machen und Soller machen. Wo einem die Parkplatzgebühren nicht gefallen, dreht man nur eine Runde um den Ort und genießt die Aussicht aus dem Fenster. 😉

In Soller fehlte uns noch die Bahnfahrt vom Hafen zur Pfarrkirche im Ort. Der Schaffner hatte alle Mühe sich durch die Wagons zu quetschen und zu kassieren. Wer nicht an den Endstation zustieg oder die Ankunft verpasste war ohne Glück. Auf dem Fussweg zu Hafen machte es ein Porzellanhändler genau richtig und drückte uns vor dem Gang durch die Reihen bunten Steinzeugs einen eisgekühlten Orangensaft in die Hand. Diese Masche funktioniert bei mir und wir hatten anschließend eine neue Schale für Knabbereien im Rucksack.

Den perfekten Sonnenuntergang suchten wir auf dem Piratenausguck am Cap Formentor und fanden ihn zusammen mit einer netten Kletterpartie und steifen Briese.

Sonnenuntergang

Zwei schöne Tage ohne Wanderstiefel.

Kleine Enten, große Enten

Vorgestern ist mir auf dem Weg zum Mittagessen die Entenhorde am Fenster zum Atrium in ihrer Vollständigkeit vor die Kamera gelaufen. Kaum zu fassen wie groß die Bande in etwas mehr als einen Monat geworden ist:

Enten

Es sind immer noch alle 9 bei bester Gesundheit, aber inzwischen auf sich alleine gestellt. Die Flucht nach oben wird nicht mehr lange auf sich warten lassen – vielleicht noch 2 Wochen.

Von Orient zum Puig d’Alaró

Mallorca ist eine große Insel und die Welt drumherum bekanntlich klein. So kam es dazu, dass sich Alinas und Andis letztes Wochenende auf der Insel mit unseren ersten Tagen überschnitt. Wir kamen auf die Idee, uns auf halber Strecke zwischen Can Picafort (wo wir bei unserem ersten Besuch blieben) und Santa Ponsa zu einer Wanderung zu treffen.

Die Wahl fiel sowohl auf den Sonntag, als auch auf die Wanderung vom Bergdorf Orient auf den Puig d’Alaró [Rothar 34]. Der Wanderführer übertreibt nicht, wenn er von spärlichen Parkmöglichkeiten spricht. Nach mehreren Vorbeifahrten und Parkansätzen bekamen wir den Wagen in eine exakt passende Lücke direkt gegenüber vom Einstieg. Die kurz danach eintreffende zweite Hälfte unserer Wandergesellschaft hatte bei der Suche kein Glück mehr und so starteten wir nach einer gemeinsamen Autofahrt im 20 Minuten entfernten Dorf.

Die Nutznießer der Viehgatter waren waren schnell ausgemacht, denn am Wegesrand begegneten wir immer wieder Ziegen und Schafen – großen wie kleinen. Die meisten Schafe schmiegten sich regungslos eng an Natursteinmauern und Bäume, wenn wir vorbei kamen. Ob dies eine Schutzhaltung gegen uns oder die Sonne ist kann ich nicht sagen. Vielleicht geben sie sich auch dem Trugschluss hin, dass wir Menschen nur Bewegungen sehen können? Jurassic Park lässt grüßen. 🙂

Der Aufstieg ist nicht ohne. Ganz besonders gilt das für den Beginn und weiter zur – in ihrer Geschichte niemals erstürmten – Felsenburg Castell d ’Alaro in luftiger Höhe. Die Steilwand scheint ein Paradies für Kletterer zu sein, denn an vielen Stellen trafen und sahen wir Sportler mit Seil und Geschirr ehrfürchtig Tipps an ihre Kollegen rufen oder bereits selbst im Fels hängen.

Rast

_DSC2588Belohnt wurden wir mit einer grandiosen Aussicht in die ebene Inselmitte. Der Wunsch nach einem ruhigen Rastplatz mit Aussicht und die Suche nach den beschriebenen Abkürzungen an einer Bergstraße führte uns gegen Ende noch einmal, mit dem Handy navigierend, durch das Unterholz, um nicht an der letzten Biegung vor dem Bergkamm vorbeizuschießen.

Nach dem Abstieg über den bereits bekannten Pfad, pellten wir uns aus unserer Wanderermontur und saßen noch bei einem kühlen Getränk zusammen, bevor wir zum Abendessen wieder in unterschiedliche Richtungen auseinander gingen.