Trekking im Regenwald

Mit Pali an der Spitze liefen wir durch Reisfelder zum Wald und freuten uns, das wir wie beim Sri Pada dem Wetter nach Wolkenschauern am Abend zuvor ein Schnippchen geschlagen hatten. Schon auf der Fahrt über Schlaglöcher geplagte Wege hatten wir mehr über den Teeanbau gelernt, als bei unserem Besuch der Teefabrik in Ella – den wir btw in Deniyaya hätten gratis haben können.

Auf den ersten Metern saß bereits ein männliches Chamäleon in den Zweigen und ließ seine Pigmente spielen. Keine zwei Meter weiter das Weibchen – noch ahnungslos. 😉

Der Wald war kaum in Sichtweite, als sich der Himmel auf tat und den Monsun nieder prasseln ließ, den die Reisbauern um die Erntezeit gar nicht gebrauchen konnten.

Die einzelnen Schauer verstärkten sich bei der Wanderung so sehr, das jeder Trampelpfad zum Bachlauf wurde. Alles, was irgendwo unter den Regenmänteln hervorlukte, war vollkommen durchnässt. Und das Wasser kam wirklich von allen Seiten.

Wer noch nie einen Blutegel mit eigenen Augen gesehen hat, kann sich nur schwer vorstellen, diese hartnäckigen Tiere über Stunden abwehren zu müssen. Ich hatte zu jedem Zeitpunkt der mehrstündigen Wanderung immer mindestens einen am Schuh empor klettern. Zuerst haben wir Sie noch dort mit Palis Hilfe entfernt, später nur noch diejenigen weggeschnippt, die das todbringende Salz im Schuh (Geheimtipp!) überlebt hatten. Zum Schluss hatte ich die feste Absicht, mich erst im Gästehaus wieder zu ent-leechen. Bei der Mittagspause entdeckte ich einen Blutegel am linken Arm, der es durch mein Blut schon auf 3×1 cm gebracht hatte. Jetzt, zwei Tage später, reicht eine unvorsichtige Bewegung, um den kreisrunden Bluterguss wieder aufzukratzen. Von den Phantombewegungen am Bein, die einen noch immer zusammenzucken lassen, wollen wir besser schweigen. Hört sich jetzt in machen Ohren fürchterlich an, passt aber perfekt ins Erlebnis „Regenwald“.

Pali zeigte unterdessen auf diesen und jenen Baum, nannte dessen botanischen Namen, seine Funktion für den Wald und die Singalesen, und hielt uns von Zimt, Nelken, Citrella, Ingwer, Muskatnuss, wilden Durian und diversen Zitrusfrüchten Blätter und Früchte unter die Nase.

Wir hatten unsere Zunge sogar am bitteren Schmerzmittel, das von der Doktorschnecke bei Stress ausgeschieden wird. Über unsern Köpfen sah uns das dunkle Rieseneichhörnchen verdutzt an und wir sahen unsere erste waschechte Schlange:

Grün und spindeldürr kletterte die Green Wine Snake durch die Äste, später räkelte sich die Green Pit Viper um einen Ast.

Unser Bad im Dschungelbecken an einem Wasserfall musste leider ausfallen, da wir bereits auf dem Weg dorthin durch brusthohes braunes reißendes Wasser hätten waten müssen. Aber wir waren ja eh schon nass. 🙂

Ein fantastischer Tag, der aber manche Bedürfnisse an Sauberkeit und Freiheit von parasitären Lebensformen in Frage gestellt hat.

Aktuell sind wir noch in Galle, fahren morgen aber zurück nach Colombo, wo wir bei Palis Familie eingeladen sind, die letzten zwei Nächte in Sri Lanka zu verbringen. Welch‘ Gastfreundschaft!

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