Film: Chiko

Die Sneakpreview brachte uns heute Nacht einen ziemliches Schwergewicht auf die Leinwand. „Chiko“ von Özgür Yildirim ist eine deutsche Produktion und ein richtig schwergewichtiges Drama – ganz und gar nicht geeignet für einen unterhaltsamen Kinoabend.

Chiko und Tibet sind Kinder türkischer Einwanderer und leben in einem fiesen Hamburger Viertel. Dort träumen sie von Geld, Ehre und dicken Autos, bis sie eines Tages die Initiative ergreifen und sich „mit einem Schlag“ als Handlanger von Brownie wiederfinden, für den sie zunächst Gras verkaufen sollen. Doch das Geld fließt nicht für jeden schnell genug. Nach dem ersten Verrat entfernen sich die „Brüder“ immer weiter voneinander, die Situation eskaliert auf beiden Seiten zunehmend. Verletzte Ehre, Treue und das Streben nach vermeintlich besseren Zeiten passen einfach nicht nebeneinander …

So kompromisslos kann man das ganze „Gangstergehabe“ also mit nur einem Film niederreißen. Die ersten Minuten war ich mir nicht ganz sicher, ob ich nicht in einer Mischung aus Erkan&Stefan und einem amerikanischen Gangsterfilm gelandet war. In dieser Eingewöhnung werden nicht nur die Hauptcharaktere mit ihren verkorksten Vorstellungen von einem erfüllten Leben eingeführt, sondern auch dem Zuschauer die größten Lacher über die wortkarge Ghettosprache ausgetrieben. „Alter“, „Digger“, „fickst du mich, fick ich dich“ – am Anfang noch albern und überzogen wirkend, sind die Worte das Grundgerüst, mit denen die Darsteller alles zwischen Freundschaft und unglaublichem Hass ausdrücken müssen und auch problemlos können.

Wenn dann die Sprache doch nicht mehr ausreicht, artet der Film heftig in Gewalt aus. Diese Szenen sind vor allem deshalb so bestürzend, weil sie ohne jede Effekthascherei – einfach realistisch dargestellt sind. Ein heftiger Tritt in den Rücken bei einem vermasselten Drogengeschäft und es ist halt aus.

Der Mangel an Alternativen in der Handlung der Charaktere, um der Geschichte doch zu einem guten Ende zu führen, ist wirklich erschreckend. Ein Film zum fürchten: „Ist das alles wirklich Realität? Kann ich diesen Menschen auf der Strasse begegnen?“

Sehr gute Schauspieler und eine bedrückenden Handlung hervorragend in Szene gesetzt. Ich bin kein großer Freund von solch „wertvollen“ Filmen, aber auch ohne persönliches Kino-Vergnügen ein sehr sehenswerter Film.

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