Nachgereicht:

Infantil, aber dennoch ein unverzichtbares Foto, wenn man durch einen finnischen Supermarkt geht.
PS: Pussi = Tüte
Ich bin wieder zurück. Gestern Abend hab ich mich von meinem Papa am Düsseldorfer Flughafen abholen lassen. Bei den Gewitterwolken gestern Abend keine schlechte Entscheidung.
Gestern Nachmittag hatte ich noch am Wohnheim ausprobiert, ob das Abmontieren von Lenker und Pedalen denn am Flughafen Vantaa auch so klappen würde, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Tat es natürlich nicht! Die Lenkstange bekam ich problemlos ab, die beiden Schrauben mit denen der Pedalarme am Lager befestigt sind (oder zu sein scheinen) ließen sich mit meinem kleinen Werkzeug keinen Millimeter bewegen. Zumindest habe ich mir dies als “Pedale abmontieren” vorgestellt. Für die eigentlichen Pedale hatte ich zum einen nicht das passende Werkzeug (Mutter ~2cm im Pedal versenkt) und zum anderen hätte ich – meiner Ansicht nach – anschließend nur das Pedal von einer dünnen Metallachse bekommen. Die hätte wohl noch mehr beschädigt oder sich gar verbogen.
Auf dem Weg zum Flughafen Vantaa bin ich also in einen Baumarkt und hab mir zwei Imbus-Schlüssel besorgt, von denen ich mir deutlich mehr Drehmoment versprach. Dazu Panzer-Tape – das ist immer nützlich. Vor dem Terminal hab ich die Schraube (mit Sicherungskleber am Gewinde!) an einer Seite abbekommen. Darunter kam aber nur eine gepresste Verzahnung zum Vorschein, die nicht einmal so aussah, als wäre sie vom Fachmann zu lösen. Ich gab auf und durfte mein Rad auch mit Pedalen am Schalter abgeben. Mit dem Tape hatte ich zuvor noch den Lenker kratz- und verliersicher am Rahmen befestigt.
Beim Einladen – ich konnte mein Gepäck schön beim Warten beobachten – ging das Personal vorbildlich mit dem Rad um.
Im Flugzeug musste ich eine Mutter mit Kleinkind trotz leisem Protest vom Fensterplatz verscheuchen. Mein erster Flug nach 7 Jahren – da gibts keine Gnade! Wenn man sein Kind mit toller Aussicht vom langen Flug ablenken will, muss man halt früher einchecken. Die erste Kurve nach dem Abheben war schon extrem cool, aber nach dem ersten Blick auf die Wolkendecke hab ich mich doch auf mein Buch konzentriert.
In Düsseldorf wurde mein Rad neben das Gepäckband geschoben, als ich gerade auf der anderen Seite meine Taschen zusammensuchte. Als ich näher kam, sah ich das zerbrochene Rücklicht (einen Karton konnte man mir in Helsinki ja nicht zur Verfügung stellen) und einige Kratzer am Rahmen. Es musste beim Ausladen wohl schnell gehen.
Nach einer Diskussion über Verpackungsrichtlinien bekam ich am Schalter aber doch eine Bestätigung, dass der Schaden von Air Berlin übernommen wird. Trotzdem ärgerlich, aber damit kann ich leben.
Schön wieder hier zu sein!
In zwei Wochen schreib ich die erste von drei Klausuren vor Semesterstart. Soviel zu meinem restlichen Ferienprogramm.

Das Foto ist jetzt schon ein paar Tage alt und inzwischen ist – wie ich gesehen habe – eh schon alles ins Netz gewandert. Mit acht Leuten sind wir in einen Club kurz vor der Innenstadt. Mindestalter 20 – das wird hier auch im kleinsten Laden recht strikt durchgesetzt – aber bei ner großen Gruppe bekommt man auch 19er mit hinein.
Innen alles auf “in” und “hipp” gestylt mit alten OP-Leuchten an der Decke und einigen minimalistischen Sitzgruppen in den Ecken. Brechend voll. Und für die Musik zwei DJs, die richtig guten House aufgelegt haben. Mag sein, dass wir bei einem Track mit Samples aus “Eisbär” von Grauzone etwas ausgeflippt sind. =)
Schon mal 6,50€ für Vodka-Redbull bezahlt? 5€ für ein Bier? Hält die Finnen auf jeden Fall nicht davon ab, ihre Kreditkarte leer zu trinken, denn so bezahlen hier bestimmt 70% aller Gäste.
Ab 2:00 fahren leider nur noch Nachtbusse, die auch extra kosten – quasi als natürliche Aufteilung der Nacht zum Schutze der studentischen Finanzen. Entweder man feiert bis 2:00 oder ab 2:00 bis die regulären Busse wieder fahren.
Ich durfte mir gerade beim Webcheckin für meinen Rückflug morgen Abend den Platz frei aussuchen und hab einfach mal nach den Überlebenschancen der einzelnen Plätze gegoogelt.
Die Bild hat ne schöne Grafik dazu im Netz – was aber natürlich nichts über die Qualität der Daten aussagt. Daraus hab ich mir nen Kompromiss aus Fensterplatz und Nähe zum mittleren Notausgang gebastelt. Nicht, dass ich Flugangst hätte, aber wenn man schon die Zeit hat, sich zu sowas seine Gedanken zu machen … ^^
Vorgestern bin ich bereits die 14km zum Flughafen geradelt, um mal abzuchecken, wie ich mein Rad für den Flug vorbereiten muss. Luftdruck in den Reifen verringern, Pedale abmontieren und … den Lenker quer stellen. Letzteres macht mir ein wenig Sorgen, weil ich bei meinem Rad keine einfache Möglichkeit sehe, das hinzubekommen ohne am Steuersatz herumzuspielen oder gleich den gesamten Lenker zu demontieren. Für den Steuersatz bräuchte ich gleich zwei große Schraubenschlüssel (oder Spezialwerkzeug) zum “Kontern”, die schwer und nicht gerade billig sind und bei der Demontage bekomme ich den Lenker nicht aus dem Vorbau, ohne wirklich alle Anbauten (Schaltung, Bremse, Klingel) auf einer Seite abzuschrauben. Bestimmt ein großer Spaß, das in Düsseldorf kurz vor Mitternacht wieder zusammenzubauen. Wahrscheinlich gehts deutlich einfacher – nur hab ich es vorher halt noch nie gemacht.
Apropos Ankunftszeit: Was musste ich da in der Schlange am Infoschalter hören? Die Piloten bei Air Berlin und LTU streiken. Gestern sogar 16h Warnstreik mit Ausfällen und massiven Verspätungen. Die aktuellen Nachrichtenmeldungen klingen zwar vorsichtig optimistisch, aber was heißt das schon.
Das wird mein dritter Flug nach dem Weltjugendtag 2002 in Kanada und trotz allem freu ich mich schon darauf.
Donnerstag haben wir in der Abenddämmerung wieder finnischen Boden betreten. Auf der Gangway haben mir gleich zwei betrunkene Ladies ihren Sackkarren mit Alkohol über den Fuss gerollt und im Bus roch es später auch extrem hochprozentig.
Wie schön, dass unser Ausflug nach Estland anders geartet war.
Am Mittwoch kamen wir um 11:00 in Tallinn an. Da wir schon mächtig Hunger hatten, beachteten wir die “Einkaufscenter” am Hafen nur sehr oberflächlich (dazu später mehr). Von weitem konnte man aber den mittelalterlichen Stadtkern (“Old Town”) mit dem Domberg erkennen. Rote-orange Dächer, Mauern, Türme, schmale Gassen, Kirchen und rundes Kieselsteinpflaster bis einem die Füße schmerzen. Für die Pizza sind wir aber wieder an den Rand der Altstadt gewandert – in ein Restaurant, das wir uns schon auf der Tallinn-Webseite ausgesucht hatten. Umgerechnet 5€ für eine große Pizza und 1€ für ein Getränk – das ist nach finnischen Maßstäben schon recht günstig. So richtig toll war die Pizza dann aber leider doch nicht.
Zurück im UNESCO Weltkulturerbe haben wir uns die Altstadt dann in aller Ruhe angeschaut. Die Verkäufer an den Ständen und in den Läden bieten den Touristen ihre Waren oft in Kostümen an und auch die Gaststuben um den zentralen Platz bemühen sich, möglichst authentisch zu wirken. Ein paar Straßen weiter kann man auch die ausländischen Botschaften suchen, die dort alle eine Villa abbekommen haben.
Ans “Old Town” schließt sich das moderne Tallinn an. Hochhäuser, Bars & Restaurants und einige Shoppingcenter, in denen man ähnliche Läden finden kann wie in Helsinki. Dort haben wir uns späteren am Nachmittag umgesehen. Von den Aussichtsstellen auf dem Domberg kann man übrigens sehr deutlich den Schnitt zwischen Alt und Neu erkennen.
Da wir aber noch immer den Eindruck hatten, nur den touristischen Teil der Stadt zu sehen, haben wir uns vorsichtig dem russischen Markt auf gegenüberliegenden Seite des Bahnhofes genährt. Dort beginnt die Stadt langsam ein wenig “schmuddelig” zu werden. Der Marktplatz liegt in einem Hof und in den umliegenden Gebäuden sowie einigen festen Kiosken in der Mitte werden Lebensmittel, billiges Spielzeug und Kleidung verkauft. Dazwischen noch einige Stände mit Gemüse und Obst – auch wenn manchmal nur 3 Kisten Äpfel für je 2€ auf dem Tisch stehen. In den “Kiosken” gibt man seine Bestellung durch ein Fenster auf und erhält, nachdem die grimmig dreinblickende Frau auf der anderen Seite alles in den Tiefen ihres Ladens zusammengesucht hat, die Tüte mit den Waren. Es wird hauptsächlich Russisch gesprochen und auch ausgezeichnet, soweit ich das hören und erkennen konnte. Auf jeden Fall eine ganz andere Welt, als in den Einkaufscentern vorher.
Dann war noch Zeit für eine heiße Schokolade beim Griechen im Old Town, bevor wir uns zu unserem Zimmer mussten.
In südlicher Richtung geht man durch einen ganz normalen europäischen Vorort, keine Spur von “dem Osten”, den ich als Vorurteil einfach noch im Kopf habe. Hier und da sieht man aber einige halb verfallende Holzhäuser im skandinavischen Stil, bei denen man sich wohl noch nicht zwischen Abriss und Restauration entschieden hat. Nach 2,5km Gehweg standen wir vor unserer “White Villa” in dem uns unser 31€ Doppelzimmer erwartete. Mehr als 4-5 Zimmer hat die Pension nicht und so wurden wir sehr persönlich empfangen. Das Zimmer war schlicht, aber mit TV und Mini-Kühlschrank. Dusche und WC auf dem Gang schräg gegenüber – sogar nur für uns mit eigenem Schlüssel. Wir haben auf jeden Fall gut geschlafen und sind am nächsten (etwas bewölkten) Morgen wieder in die Altstadt gegangen. Auf dem Weg noch ein Abstecher in den Supermarkt um zu frühstücken – dort hat Andrea auch das erste Mal karelische Piroggen probiert. Ich finde die Kombination mit dem ungesüßten Milchreis ja richtig lecker, aber Andrea war es etwas zu salzig.
Zu Mittag haben wir in einem chinesisches Resaturant gegessen, in das man durch eine niedrige Tür in einem Seitengang der Altstadt gelangt. Mittagstisch für 6€ inkl Getränk – Andrea durfte den Rest ihrer riesigen Portion sogar anschließend mitnehmen und über die Grenze schmuggeln.
Auf dem Weg zum CheckIn Schalter – hätten wir eigentlich schon gleich nach der Ankunft machen können – haben wir die Geschäfte gleich an der Straße zum Terminal unter die Lupe genommen. Dort fand sich dann die Ware, die wir schon ein wenig vermisst hatten. Fast echte Markenklamotten, Zigaretten und Alkohol – sogar ein Stand mit Musik und Spielen, deren Cover nicht einmal sauber ausgeschnitten waren.
30 kleine Geschäfte in einem Center und alle – wirklich alle – verkaufen den selben Kram. Der Container aus China war aber offensichtlich schon ein paar Monate älter und bestand irgendwie nur aus “Gangster”-Pullis und schwarzen Band-Shirts. Obwohl wir dort natürlich nie nie etwas gekauft hätten, fanden wir auch nichts, was uns direkt angesprochen hätte und ich hab dort wirklich jedes Hinterstübchen besucht.
Kurz vor der Abfahrt haben wir dem nächsten Supermarkt aber noch einen Besuch abgestattet. Schokolade von Kalev (die haben in Tallinn ein kleines Museum), eine Flasche Erdbeer-Cider und ein Sixpack Saku-Bier. Das sollte eigentlich genau mit unseren restlichen EEK bezahlt werden, hätte ich mich nicht grob verrechnet. Also freute sich noch der Schiff-Shop, dass er zwei weitere Schokoladentafeln los wurde.
Schön mal einen Blick ins östliche Europa geworfen zu haben – ein toller Ausflug war es auf jeden Fall – bei mehr als zwei Tagen hätten wir aber schon suchen müssen, was es in Tallinn noch so zu sehen gibt. Für zwei Touri-Kultur-Muffel wirds da langsam schwierig.
Bilder gibts später, denn wir fahren jetzt nach Helsinki-Zentrum in eine Bar mit Sonnenterrasse – bei Nieselregen und einsetzender Dämmerung.