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Zagora

Auf der Straße von Ouazazarte nach Südosten zeigt sich der Atlas ein weiteres Mal von einer anderen Seite.

Ein Rastplatz noch vor der durchgehenden Dauerbaustelle im Draa-Tal war für ausgiebiges Picknick geeignet.

Dann folgte ein Slalom zwischen Baumaschinen über alle Straßenbeläge der Welt. Die wahrscheinlich schönere Route durch den kilometerbreiten Palmenwald mussten wir ohne 4×4 leider links liegen lassen. Ich konzentrierte mich auf die Situation rund um das Auto und Andrea beschrieb, was ich gerade abseits der Straße verpasste. 🙂

Unser Campingplatz „Les Jardins de Zagora“ liegt wirklich schön nahe am Zentrum, aber doch abgelegen genug, dass man unter den Palmen Ruhe findet.
Wir trafen unseren Gastgeber und seinen Sohn mit einem Freund der Familie – Ali – an, der in Deutschland studiert hat und als Journalist in der Stadt recherchiert. Wir fühlten uns sehr willkommen und waren auch dem Angebot für unsere Wüstentour zur Erg Chigaga sehr aufgeschlossen. 
Es ist Andrea zu verdanken, dass wir später den Preis mit einigen Gegenangeboten aus der Stadt noch drücken konnten. Dafür mussten wir uns allerdings dort mit einigen „Entertainern“ auseinandersetzen.  

Die Preise hier stechen absolut aus unseren normalen Reisekosten heraus. Gehandelte 2500 Dirham (aktuell 230€) für etwas mehr als einen Tag volles Programm mit einer Übernachtung sind hier der Mindestpreis, den man zahlen muss, ohne Abstriche zu machen. In einer größeren Gruppe wäre noch etwas mehr zu machen.

Dafür reite ich morgen auf einem Dromedar und schlafe in der Wüste unter einem Meer von Sternen. So wird es hier angepriesen. 😉

Heute Abend sind wir zum Abendessen eingeladen und bekommen echte Hausfrauskost. Andrea hofft inständig, dass sie alles mag.

Morgen früh fahren wir bis auf 40km an die algerische Grenze nach M’Hamid und beginnen unser Abenteuer in der Wüste.

Ouarzazate

Von Marrakesch fuhren wir ein weiteres Mal durch den Atlas nach Süden, um als Zwischenstation auf unserem Weg in die Wüste zwei Nächte in Ouazazate zu campieren.

Auf der Straße wir gerade heftig gebaut und für manche Kurve ein Berg versetzt. So hat man den Berg hinauf das Vergnügen mit einer dreispurigen perfekten Asphaltdecke unterbrochen von Baustellen und hinunter eine enge baufällige Straße.

Auf den letzten Kilometern vor der Stadt fährt man durch eine ebene Wüste aus Steinen. Man könnte fast jederzeit abbiegen  und in eine beliebige Richtung bis zum Horizont fahren. 
Ouarzazate liegt an einem größeren See und ist für seine Filmstudios bekannt, deren Kulissen man bereits von der Hauptstraße sehen kann.

Eine Führung geht durch Räume mit Requisiten und Kostümen aus Filmen wie Asterix und Obelix, Gladiator, Königreich der Himmel, Lawrence von Arabien, Die Mumie und dem letzten Ben Hur. Vor einer Woche wurden die Dreharbeiten zur nächsten Staffel Vikings beendet und die Ringgeister durften hier in einer Szene über die Ebene reiten. Unser Guide war sympathisch „Hands on“ – man durfte alles abklopfen und in die Hand nehmen, um Gips von Styropor zu unterscheiden. Die Glanzzeit der Ausstellungsstücke liegt schon etwas zurück, aber wir freuen uns schon darauf die Filme mit unseren Fotos abzugleichen.

Das echte Highlight war aber der zweite der Teil der Studios – die riesigen begehbaren Kulissen in der Wüste, zu denen man sich alleine mit dem Wagen über die Piste aufmachen musste. Wir konnten uns in vollkommener Einsamkeit die abenteuerlichen Konstruktionen ansehen und auf allen Ebenen begehen. Eine Abnahme vom TÜV überstehen die Gerüste nicht mehr und man sollte seine Schritte und Tritte wohl überlegen.

Aus jeder Perspektive gab es ein anderes Mauerwerk zu sehen, womit die einzelnen Höfe universell verwendbar sind. 

Zwei weitere Kulissen noch weiter draußen waren ebenfalls interessant aber bereits sehr verfallen. Außerdem war es wirklich sehr sehr warm.

Wir besichtigten im Anschluss noch die Kasbah im touristischen Kern der Stadt und setzen uns dann zum See ab, um im Schatten eines Baumes den Nachmittag über unseren Büchern zu verbummeln. 

Ich sitze bereits an Andreas Büchern und kann mich für schwere Schicksalsliteratur nicht so recht begeistern. 😛
Aber der nächste Thriller wartet bereits auf mich – nur noch wenige Seiten sind zu schaffen.
Unserer Campingplatz liegt sehr abgelegen, ist aber wirklich hübsch angelegt. Es patrouilliert ein Pfau mit seinen drei Damen, zwei Hunde, Hühner und einige Katzen auf dem Areal -eingerahmt von einer Lehmmauer und Dattelpalmen.

Hinter unserem Zelt fermentiert die Ernte auf einer Plane unter einem Olivenbaum und verbreitet einen süßen Duft. Am Abend gab es auch den ersten ernsthaften Versuch eines schönen Sonnenuntergangs, der die Wolken in Rottönen malte.

Auf den Toubkal und zurück

Eines vorweg: Wir hatten keine Ahnung, auf was wir uns mit diesem Berg eingelassen hatten. Nie hatte jemand von uns so etwas versucht. Die Höhe war eine ganz neue Variable.

Wir brachen um 9:00 nach Aroumd auf – dem letzten Dorf im Tal und auch Ende für jedes von einem Motor angetriebene Fortbewegungsmittel.
Ein letzten Lastwagen mit Äpfeln kam uns schaukelnd über das breite Flussbett aus grauen Steinen entgegen. Ohne Wasser kann man sich nur erstaunt auszumalen, was hier zu einer anderen Jahreszeit für Wassermassen transportiert werden.

Wir waren nicht alleine unterwegs. Auch eine Gruppe konnten wir am ersten Unterstand überholen, wo ein Händler seine Barren aus Nüssen und Honig in Probierportion verteilte. 
Die gängige Praxis ist es, sich einen ortskundigen Guide für den kompletten Aufstieg zu engagieren und sein Gepäck von einem Maultier tragen zu lassen. Auf diesem Weg wird auch alles Andere auf die beiden Hütten und die wenigen Verkaufsstände am Weg getragen. 

Wir waren – nicht verwunderlich – ohne Begleitung und mit zwei Rucksäcken (groß und klein) unterwegs. Darin unsere Schlafsäcke, Stöcke, Wasser, Proviant für den Weg und Winterkleidung.

Der Weg zur Berghütte (11 km) geht von 1740m hinauf zu 3200m. Mit Pausen brauchten wir dazu fünfeinhalb Stunden, während denen unsere Geschwindigkeit immer weiter abnahm. Wir gingen über staubige Pfade und kletterten über Felsen. Manchmal geht es entlang der Bergflanke oder in Serpentinen hinauf. 

Nach jeder Biegung erwarteten wir, einen ersten Blick auf unser Ziel zu erhaschen und wurden unzählige Male enttäuscht. Das Tal ist zu verwinkelt und auch auf gerade Sicht würde sich immer ein großer Felsen vor die beiden Häuser schieben.

Als wir endlich durch die abgestellten Maultiere schlichen und auch das luxuriösere der Häuser hinter uns gelassen hatten, wartete ein Doppelbett in einem 16er Zimmer auf uns. Wir hatten aus anderen Berichten mit einem großen Schlafsaal und einer eisigen Nacht gerechnet. Die Berghütte wird übrigens vom französischen Alpenverein betrieben. Im Speisesaal brannte ein Feuer im Kamin und für 10 Dirham gab es eine warme Suppe mit Brot, ergänzt durch ein mitgebrachtes Brötchen mit Avocado.

Auch wenn sich die Herbergen im kargen Graubraun der Erde nur durch ihre Form absetzen, sind sie eine Oase in den Bergen.

Der Blick auf den weiteren Weg war abschreckend:

Die Größenverhältnisse lassen sich nur schwer als Bild wiedergeben. Bereits am unteren Ende des grauen Pfades lassen sich Menschen nur noch als Punkte erkennen. Was hier wie grauer Sand wirkt ist ein Feld von Steinen größer als Fußbälle. 

Die Nacht war ein Albtraum – die letzten gingen gegen 10 zu Bett, die ersten Wecker gingen um 5 und mindestens drei Schnarcher rangen um den Lautstärkerekord. Kaum Schlaf, nur immer wieder kurze Phasen der Ruhe.

Wir brachen als eine der Letzten um 8 Uhr auf und verliefen uns gleich eine halbe Stunde auf der Suche nach der richtigenBachüberquerung. UPS.

Dann ging meinem Telefon der Saft aus, was bedeutet, dass am Ende dieses Eintrags zunächst (bis nach der Rückkehr) kein Foto von der Spitze stehen wird. 

Mit 4,5 Stunden für die letzten knapp 1000 Höhenmeter gewinnen wir bestimmt keinen Blumenstrauß, aber bei einer Strecke von nur 3,1 km kann man sich die Steigung leicht ausrechnen. Auf lockeren Geröll machten wir jeden Schritt zweimal und wenn der Pfad nicht zu erkennen war, suchten wir uns einen eigenen über die Felsen. Irgendwann kamen wir am ersten Flecken gefrorenen Schnees vorbei und die kleinen Wasserfälle endeten in einem Becken aus Eis. 

Wir sprachen einen Wanderer an, der bereits auf dem Rückweg war, und fragten, was denn noch alles vor uns läge? Er antwortete: „Das möchtet ihr nicht wissen. … Aber es lohnt sich!“ 

Wir hatten zu diesem Zeitpunkt, ohne es zu wissen, noch nicht die Hälfte des Weges hinter uns. Vielleicht war es die Höhe, vielleicht die ungewohnte Belastung – nach einer Pause gab es keine Erholung mehr. 

Vor dem Gipfel – wir konnten gerade einen ersten Blick auf die andere Seite des Massives werfen – waren wir kurz davor umzukehren. Die nächste Steigung schien zu lang und steil. Einen geteilten Erdnussriegel später gingen wir im bewährtenSchneckentempo weiter. Auch auf den letzten Metern vor der Pyramide aus Metall, die den Gipfel markiert, gab es keinen Zieleinlauf.

Ich warf meinem Rucksack zu Boden und ließ mich auf die umliegende Mauer fallen. Endlich hatten wir es geschafft, der Toubkal war erklommen!

Wir waren nicht alleine auf dem Gipfel. Ein junges marokkanisches Paar wartete verzweifelt auf eine funktionierende Kamera, um auch ihr eigenes Zielfoto zu bekommen. Auch ihr Mobiltelefon hatte es nicht mehr bis zum Gipfel geschafft. Den Gefallen tat ich ihnen natürlich gerne – die Zusendung der Fotos muss aber noch warten, vorausgesetzt ich bekomme sie sicher nach Deutschland zurück.

Vom Gipfel konnte man bis zu den Randgebieten von Marrakesch im Norden und bis Ouazazarte im Süden sehen. Im Westen schoben sich bereits die dunklen Wolken über die Berge, denen wir in den Bergen nicht begegnen wollten.

Beim Abstieg stellte sich heraus, wie unterschiedlich ein Weg aus zwei Richtungen zu begehen sein kann. Man könnte nun zwar die ausgetretenen Wege besser erkennen, aber auch manche Stellen musste mit einem Sprung überbrückt werden, die wir zuvor geklettert waren. Die Stöcke waren dabei eine große Hilfe. 

Wir gewannen bald Abstand von unseren Begleitern, die ihrerseits Probleme mit dem Gleichgewicht an abschüssiger Stelle hatten und ihre eigene Tandem-Technik entwickelten.

Zurück an der Berghütte hatten wir noch den kompletten Weg zurück nach Imlil vor uns, ohne an diesem Tag ausreichend gegessen zu haben. Der Grund war das Fehlen eines Geldautomaten in Imlil, so dass wir ohne längere Autofahrt über bereits beschriebene Straße mit unserer Barkasse haushalten mussten.

Also gab es hier noch ein spätes geteiltes Mittagessen aus Salat und einer Schale Nudeln, während der wir darauf warteten einen Zettel mit meiner Email-Adresse an die beiden Nachzügler zu überreichen. 

Die nächsten Stunden liefen wir uns, unter einer Wolkendecke und bei einsetzendem Regen, die Füße wund und passierten dabei alle Stationen des vergangenen Tages erneut. Manche Abschnitte waren uns gänzlich anders in Erinnerung. Wir marschierten durch Hänge von Ziegenherden jeder Farbe, lieferten uns ein stilles Wettrennen mit einem Maultier, während dem wir uns jeweils einmal überholten und das wir letztendlich doch verloren.

Die Dämmerung setzte ein und ab dem Flussbett vor Aroumd stolperten wir in kompletter Dunkelheit auf der steinigen Straße – nur erhellt von einem vollen Mond hinter einer Wolkendecke und einigen Autoscheinwerfern. Die Taschenlampen lagen im Zelt.

Wir hatten wir den Abend Couscous bestellt, bekamen aber vor Erschöpfung nach der Suppe nur einen halben Teller herunter und verzichteten noch rechtzeitig auf den Nachtisch. Schade um das gute Essen – aber ich glaube nicht, dass es im Müll gelandet ist. 

Keine Mahlzeit im ländlichen Marokko ohne mauzende Katze neben dem Tisch, die auch bemüht einen flehenden Blickkontakt aufzubauen.

Auf dem Pass

Von wegen „auf gleicher Höhe“. Wir trafen am Abend in unserer Herberge Patrick, der in den italienischen Alpen aufgewachsen ist und mit dem wir uns zur Akklimatisierungswanderung verabredeten. Er war bereits Marokko-erfahren und auch auf dem Toubkal gewesen. Außerdem war er vor wenigen Tagen von einer Umwanderung des Bergmassivs zurückgekehrt.

Als Testlauf packte ich unseren Tourenrucksack recht voll, um nicht erst bei der Besteigung Probleme bei der Beladung zu entdecken. In zwei Stunden erklommen wir anschließend – Patrick voran – den Pass 700m über uns am Ende des Tals. Dort oben gaben wir klein bei, wünschten wir ihm noch eine schöne Wanderung und drehten nach einer Rast wieder um. Wir hatten nun großen Respekt vor dem Terrain und der Aufgabe der nächsten zwei Tage.

Abends erzählte uns Patrick, dass er anschließend noch 200m ab- und weitere 1000 Meter aufgestiegen war um den Berg zu umrunden. 

Als Abendessen wurde uns ein weiteres Mal die klassische Tajine mit Brot serviert. So langsam sind wir sie allerdings über, denn bisher gab es kaum Variation der Zutaten und auf meiner Topliste aller Spezialitäten der Welt landet sie eh nicht auf einem oberen Platz. Die Variation mit Couscous ist deutlich besser, muss aber oft vorbestellt werden.

Lange bevor es auch um uns herum still wurde krabbelten wir in unsere Schlafsäcke.

Ait Mansour

Wenn man sich im Süden von Tafraoute in die Berge begibt, dann stößt man irgendwann auf die Schlucht Ait Mansour, durch die sich eine schmale Straße ihren Weg zwischen Palmen hindurch bahnt.

Zum Glück war sie nicht sehr befahren, so dass sich die Ausweichmanöver in Grenzen hielten. Dies ist auch der bisher feuchteste Ort, den wir in den Bergen gesehen haben mit Teichen, die die Sonne zwischen den Felswänden nichts anhaben kann.

Wir hatten uns für den Tagesausflug mit Backwaren, Datteln und geschälten Stachelfeigen eingedeckt. Letztere hatte uns am Morgen Maria und Henrik geschenkt, die mit ihrem umgebauten Transporter von Deutschland aus Marokko erkunden und das eine oder andere Kilo der örtlichen Spezialitäten mit sich führen. 

Von Ende der Oase führt eine Straße über 14km zu einer großen Goldmine, wo es nichts zu besichtigen gibt und auch der Weg endet, die aber als staubendes Ungetüm auf einer Ebene mit einem Spinnennetz von Transportwegen sitzt. Am Aussichtspunkt wehte ein Wind, dass ich meine Türe kaum auf bekam.

Das Wetter brachte heute immer wieder einzelne Schauer mit sich. Im Gegenzug sorgten die Wolken für eine dramatische Kulisse, als wir den langen Rückweg über Tizi Ou Manouze im Westen wählten.

Aktuell wissen wir noch nicht genau, wohin es weiter geht. Der lange Weg nach Imlil geht über Marrakesch und wir möchten die Besteigung des Toubkal ungern bei überfrierendem Regen oder generell Niederschlag machen. Für trockene Kälte sind wir ausgerüstet – die Wetterlage der nächsten Tage würde uns aber eine Woche an eine warme Decke und heißen Erkältungstee fesseln. Vielleicht müssen wir den Berg gar auf ein anderes Mal verschieben, sollte sich die Chance denn noch einmal ergeben.

Roadtrip nach Legzira

Wir betrachen nach Süden auf ohne unser genaueres Ziel für den Tag zu kennen. Wie wussten, dass unsere Navigation auf dem Mobiltelefon die Fahrzeit sehr optimistisch berechnet und so waren wir auch auf einen Zwischenstopp in oder um Agadir eingestellt. Die Stadt ist als Zielort des Pauschaltourismus in Marokko bekannt und zieht entsprechend viele Menschen an. Uns hat die Stadt nach einer Pause, einem kühlen Getränk und einen kurzen Blick auf die Promenade mit den internationalen Karten wieder verloren.

Der Atlantik braust unter uns und eine Treppe führt bis an den Strand, an dem einige kleine Herbergen mit warmer Küche stehen.

Wer selbst einmal die große Attraktion dieses Ortes sehen möchte, muss nun ganz stark sein und möge sich bitte setzen.

Von den zwei großen Felsbögen, die sich hier mit einer Seite am Land festhalten während die See an der Anderen zieht, steht seit ungefähr zwei Wochen nur noch einer. Der kleinere Bogen ist nur noch ein Haufen roten Gesteins und Felsen. Noch ist der Berg fast unangetastet von Wasser und Wetter und der Durchgang nach Süden versperrt.

Wir haben beim Durchschreiten des verblieben Bogens auf dem Rückweg mehrfach bange nach oben geblickt, um Steinen ausweichen zu können, die bedrohlich aus der Wand ragen, als könnten sie jederzeit fallen.
Mal sehen, wie lange uns das Lager hier gefällt und zur Verfügung steht. Dann geht es nach Nordosten zu den Ausläufern der zentralen Berge weiter. 

Essaouria

Nach zwei Nächten am Rand von Marrakesch zog es uns an das Meer. Wir fuhren nach Osten nach Essaouira, wo wir am nördlichen Ende der Strandpromenade – die aktuell noch fertiggestellt wird – einen Campingplatz fanden. In einem mit Mauern eingefassten Hof standen bereits einige Wohnwagen unter Bäumen, die reichlich Schatten spendeten.

Nach dem Weg zum Sandstrand konnte man am anderen Ende der Bucht bereits die Mauern der Altstadt mit dem Fort und den abschließenden Fischerhafen erkennen. Der Wind hatte den Sand an vielen Stellen zu kleinen Dünen aufgetürmt, so dass mit der richtigen Perspektive der Eindruck erstand, wir wären bereits in der Weite der Sahara angekommen.

Am Strand warteten auch Kamele (oder waren es Dromedare?) sowie einige Pferde auf die Touristen, der sich zu einer Tour am Strand überreden lassen würden. Das Dach der Bastion, die mit der Medina Tim Weltkulturerbe der UNESCO gehört, bietet einen Blick auf den Steg, auf dem nicht nur der frische Fisch verladen, verkauft und zubereitet wird, sondern auch Fischkutter im Trockendock repariert und neu gebaut werden.

Auch ohne Karte der Stadt findet man schnell wieder ein Tor, um den  schmalen und gewundenen Gassen zurück an den Stand zu entfliehen. 

Der erste Nachmittag brachte mir den ersten Sonnenbrand im Nacken, so dass ich den zweiten Tag – farblich äußerst gewagt – mit einem kleinen lila-farbenen Handtuch unter der Schirmmütze eine schattige Stelle hinter einer Düne suchte und fand, um dort zu lesen.

Im Marokko (oder Teilen des Landes) finden bald Wahlen statt und wir machen uns einen Spaß daraus, die Wahlkampf-Flyer zu sammeln, die in Mengen über die Straßen geweht werden und in jedem Gestrüpp hängen bleiben. Jede Partei hat ein einprägsames Piktogramm (wahrscheinlich auch wegen der hohen Analphabetenquote) das auf jedem Flugblatt exakt zweimal vorzugsweise gekreuzt abgebildet ist. Wir können die Parteien zwar nicht anhand der Schrift identifizieren, aber wir können sie wie ein Sammelkartenspiel vervollständigen. 

Wir besitzen bereits Waage,  Vogel, Palme, Traktor, Lampe, Buch/Koran, Pferd, Ähre, Biene. Außerdem wissen wir bereits von der Existenz eines Briefes und Regenschirms, um unseren Satz zu vervollständigen. 

Eine kleine Spielerei, wenn wir eine langweilige Straße hinter uns bringen müssen. 😉

Die Medina von Marrakesch

Ich hatte etwas Bange vor dem Trubel an den Eingängen der Medina, so dass wir den Wagen am Rande des Ville Nouvelle abstellten. Einer der zahllosen Parkwächter in gelber Weste wies uns, dicht an das nächste Auto gepresst, ein und hätte sich gerne noch ein paar Münzen mit dem Putzen der Scheiben verdient – dies war heute aber noch nicht nötig.

Wir umrundeten die Stadtmauer der Medina und arbeiteten uns von Süden durch das jüdische Viertel nach Norden vor. Eine Synagoge mit kurzen Beschreibungen der wichtigsten Persönlichkeiten der Gemeinde und ein jüdischer Friedhof mit einem Meer aus weiß-getünchten Gräbern. Am Eingang saß bereits der zweite Fremdenführer des Tages, der uns ungefragt durch die Gassen schob. Die Synagoge hätten wir ohne Hilfe nicht gefunden, aber wir hatten nun vor, die Stadt in unserem eigenen Tempo zu erkunden. Mit einigen wenigen Dirham verabschiedeten wir uns von ihm.

Auf dem Weg zum Bazar bzw. den Suks besuchen wir den Bahia Palast, um uns die verzieren Decken und Bögen anzusehen und auch das Kunstmuseum im Dar Si Said. 

Sehr beeindruckend, aber auch furchtbar kahl, da im Palast, in den Saaditengräbern und in der Koranschule die leeren Höfe, Zimmer und Fliesenspiegel dominieren. Nur die Stuckarbeiten und Mosaiken haben es in die Jetztzeit geschafft.

Dafür tobt auf dem zentralen Platz der Medina – dem Djemaa el-Fna – das bunte Leben, an dem auch im Norden die teils überdachten Verkaufsgassen anschließen. Die Orientierung ist entsprechend schwierig und die meisten Geschäftstreibenden werden erst so richtig munter, wenn man etwas länger stehen bleibt und ein Stück genauer unter die Lupe nimmt.

Witziger Weise beginnen die spontanen Kontaktaufnahmen häufig mit der Frage „You know what this is?“ und einer längeren Pause, in der man sich scherzend fragen könnte, wer denn hier gerade der Experte für die angebotenen Waren ist.

Es gibt Lederwaren, Stoffe, Gewürze, allerhand aus Holz und Knabbereien in großen überquellenden Auslagen.

Auf dem Platz stehen die Ess- und Saftstände. Andrea hatte gleich zu Beginn ihre Hand bei einer Henna-Künstlerin nicht schnell genug weggezogen und plötzlich eine Linie der Paste auf dem Handrücken.

Außerdem wird alles angeboten, was auch bei uns gelegentlich als typisch-afrikanische Skulpturen in Ethnoshops steht, hier aber genauso fehl wirkt.

Die marokkanischen Muster und Farben die jeden Gegenstand zieren finde ich persönlich schon sehr angenehm, aber in einer Wohnung mit Stilmix wie unserer wird jedes Stück ziemlich herausstechen. Am Stand lässt sich das in der überwältigenden Vielfalt nicht objektiv bewerten. 

Wir stiegen in einer Gasse drei Etagen empor auf eine Dachterrasse mit bestem Blick auf den Platz, der sich zur Dämmerung mit zusätzlichen  Grillständen, Schlangenbeschwörern, Artisten, Wahrsagerinnen und Geschichtenerzählern füllt. Diese Geräuschkulisse ergibt im Schein der vielen Lampen eine Atmosphäre, wie man sie aus Abenteuerromanen und Filmen kennt.

Auf dem Rückweg – der nächste starke Schauer ließ nicht mehr lange auf sich warten, ließen wir die Medina ohne Umweg hinter uns. Ich war äußerst dankbar dafür, dass ich die Position unseres Parkplatzes per GPS markiert hatte und so zumindest die Position auf einige hundert Meter eingrenzen konnte. 

An unserem letzten Tag werden wir noch einmal einige Stunden Zeit haben, die Stadt zu erkunden und dich das eine oder andere Mitbringsel zu erwerben.

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