Eine Tunnelgeschichte

 

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Auf halbem Weg zwischen dem Caldeirao verde und C. do Inferno, passierten wir nach einigen Treppenstufen eine Stelle an der die Levada zum nächsten Kessel zwei Tunnel durchfloss, die nur wenige Meter lang waren, daneben war ein ungewöhnlich breites und tiefes Wehr an der Felswand angebracht, in dem man nach den Verbotsschildern keinen Schwimmstop einlegen soll. Interessanter waren zwei längere Tunnel, die davor abzweigten. Der erste war mit einer durchgerosteten Schubkarre dekoriert und von der Länge durch das Licht des Ausgangs abzuschätzen. In den Zweiten führten rostige Schienen und natürlich ebenfalls eine Abzweigung der Levada. Ein Ende war hier nicht in Sicht.

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Auf dem Rückweg vom Höllenkessel packte uns die Neugierde, was uns auf der anderen Seite erwarten würde. Außerdem hatten wir bisher noch keine so deutlichen Spuren vom Bau der Tunnel gesehen, für die wir die Schienen hielten.

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Also schalteten wir unser Taschenlampe ein und folgten den Schienen ins Dunkle. Bei der Reihenfolge haben wir alles ausprobiert: Ich mit Taschenlampe vorne und Andrea im Elefantenmarsch am Rucksack und umgekehrt – die letzten dunklen Passagen hatte ich von hinten um Andrea herum geleuchtet, so dass wir beide unseren nächsten Schritt sicher setzen konnten. Immer wieder stieß ich doch einmal mit dem Kopf an der Decke an, wenn ich zu lange nur dem Boden meine Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Nach wenigen Metern fühlten wir uns in eine Schmugglergeschichte der 5 Freunde versetzt.

So wanderten wir über den breiten aber immer wieder feuchten Weg ins Dunkel, während hinter uns der Eingang immer kleiner wurde. Der Lehm war zu Beginn eindeutig von unzähligen Schuhen platt getreten worden, aber mit der Zeit schien eher das Tröpfeln von der Decke den Boden geformt zu haben. Vor uns wurde es lauter, doch statt einer scharfen Kurve und dem Ausgang, standen wir vor einer Dusche aus dem unbefestigten Fels. Wir waren inzwischen schon geraume Zeit gegangen und hatten dabei mehrfach das Umkehren diskutiert und verworfen. Also wollten wir auch hier nicht mehr kehrt machen und querten diese und eine weitere Stelle hastig im Lichtkegel. Es folgten Stellen an den Arbeiter in Seitentaschen Holz und Eisenstäbe zurückgelassen hatten und wo Äste einer älteren Konstruktion aus der Wand standen.

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Was würden wir eigentlich machen, wenn uns nach zwei Wochen gelegentlichem Gebrauch an diesem Ort die Batterien leer gehen würden? Stundenlanges Getaste und Gestolpere bis wir bei Nacht, noch etliche Kilometer vom Auto entfernt, aus dem Berg kriechen? Keine schönes Gedankenspiel.

Die Schienen wechselten nach einem großen Schritt auf den Wasserweg und wurden nun von wackeligen Betonplatten gehalten. Schon nach einigen Metern weitete sich die Enge aber wieder zum normalen Durchmesser.

Wir lang war dieser verdammte Tunnel? Wir hatten inzwischen in beide Richtungen keinen Schimmer Licht mehr, der uns den Weg geheißen hätte. Gab es hier drinnen überhaupt genug Sauerstoff oder wurde mit gerade schwindelig? Atme ich anders als sonst? Quatsch! Immerhin weht ein stetiger kühler Wind der Wasserrichtung entgegen.

Der ehemals feste Boden zwischen den Schienen war nun grober Schotter. Der Weg machte nun einen leichten Bogen an einer ausbetonierten Stelle und ganz in der Ferne tauchte ein heller Punkt auf, der in den nächsten Minuten heller wurde.

Als wir wieder an das Tageslicht traten, wurde es endlich auch wieder wärmer.

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Doch wo waren wir nun gelandet! Unsere Reiseführer konnten uns dabei nicht weiterhelfen. Wir ermittelten über GPS unsere Position am Tablet und fanden uns auf einer Offline-Karte aus Daten von OpenStreetMap bei Chão das Feias wieder. Natürlich waren wir in der vollkommen falschen Richtung unterwegs und hatten keine Ausweichroute, die uns wieder auf den rechten Pfad gebracht hätte. Es würde mich wundern, wenn mehr als eine Handvoll Wanderer pro Woche diese Route unternimmt.

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Mit Stift und Papier am Maßstab im Hotel abgemessen, hatten wir unter der Erde 2,7 km auf der Luftlinie zurückgelegt. Wir schauten uns einige Zeit um und verschwanden mit einem seufzen wurde im Loch, aus dem wir gekommen waren. Allerdings nicht, ohne auf dem Rückweg die Zeit zu messen. Über vierzig Minuten dauerte der Rückweg, auf dem wir nur noch möglichst schnell wieder ab den Ausgangspunkt zurück gelangen wollten.

Es gäbe keinen besseren Ort für eine klaustrophobische Gruselgeschichten, als den Mittelpunkt dieses Tunnels, an dem man das Licht löscht und neben dem Rauschen in den eigenen Ohren nur noch das Gurgeln des Wassers hören kann.

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